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Wiener Clubszene: "Situation immer dramatischer" Wiener Clubszene: "Situation immer dramatischer"
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Wiener Clubszene: "Situation immer dramatischer"

Viele haben Liquiditätsprobleme, einige müssen zusperren. Ein konkreter Fahrplan für den Clubbetrieb fehlt bislang.
Alessa Däger
Dienstag, 26. Mai 2020
Verfasst am 26.05.2020 von Alessa Däger

Seit 11 Wochen bleiben die Türen von Wiener Clubs geschlossen. Eine finanzielle Härteprobe für die Betreiber. Auch der Club „das Werk“ auf der Spittelauer Lände steckt tief in der Krise. Die Rücklagen schrumpfen. Der Frust bei Clubinhaber Stefan Stürzer wächst. Es brauche dringend die von staatlicher Seite zugesicherten Zuschüsse und Gelder, sagt er im W24-Interview am Dienstag.

Alleine in Wien sorgte die Nachtgastronomie für 24.000 Jobs und einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro pro Jahr. Umsätze und Jobs sind durch die Krise weggebrochen.

„Die Situation für Clubs wird immer dramatischer“ sagt Stefan Niederwieser von der Vienna Club Commission – der Anlaufstelle für die Wiener Clubkultur –gegenüber W24. "Es erreichen uns immer mehr Nachrichten, dass einige Clubs nicht nur Probleme haben, sondern auch zusperren müssen“, sagt er am Dienstag.

„Wir hören auch, dass sich immer mehr Betreiber das nicht mehr leisten können, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu lassen und ihnen kündigen müssen, weil sie die Fixkosten nicht mehr tragen können“, so Niederwieser weiter.

Stefan Stürzer hat die Mitarbeiter seines Clubs „das Werk“ nicht in Kurzarbeit geschickt - weil man de facto keine Arbeit hätte. Dem fehlenden Umsatz stünden massive Ausgaben entgegen, sagt er zu W24.

Die schwer angeschlagene Szene versucht sich nun mit allen Mitteln über Wasser zu halten. Immer mehr Clubs sammeln Spenden– auch das Werk bittet im Netz um die Hilfe. Bekannte Gesichter aus der Kulturszene rufen etwa zum Spenden eines virtuellen Biers auf.

Die am Montag von Regierungsseite präsentierten weiteren Lockerungen für Kultur- und Großveranstaltungen lassen die Clubszene noch nicht aufatmen. Denn die neuen Lockerungen betreffen vor allem Veranstaltungen mit fixen Sitzplätzen. Einen konkreten Fahrplan für Clubs und den stehenden Veranstaltungsbetrieb gibt es bislang noch nicht.

„Im Endeffekt leben Clubs einfach davon, dass man Nähe zu anderen hat. Das Geschäftsmodell von Clubs ist nicht das Geschäftsmodell von Corona“ sagt Niederwieser. Selbst wenn sie aufmachen würden, wäre es nur mit massiven Umsatzrückgängen, so Niederwieser weiter. „Man kann in dieser Situation nicht wirtschaftlich arbeiten.“

Wegen seiner günstigen Lage direkt am Donaukanal kann „das Werk“ ab Juni ins Freie ausweichen. Die Einnahmen Open Air-Veranstaltungen sollen Schadensbegrenzung betreiben und Fixkosten bezahlen, sagt Clubinhaber Stefan Stürzer. "Indoor bleibt vorerst geschlossen."

Der Frust bleibt, denn mit einer baldigen Öffnung der Clubs rechnet niemand. Clubbetreiber fordern deshalb einen Runden Tisch mit der Regierung. Zudem will die Szene am Freitag am Heldenplatz für die Clubkultur und ihre Anliegen demonstrieren.