Gegenwind für Wiener "Kultureuro"-Pläne
Widerstand regt sich gegen die offenbar im Wiener Rathaus gewälzten Pläne, den ursprünglich als Tourismus-Abgabe geplanten "Kultureuro" nun in eine von den Kultur-Konsumierenden selbst zu zahlende Abgabe umzufunktionieren. Nachdem am Dienstag der "Kurier" berichtet hatte, dass entsprechende Informationen "bereits bestätigt" würden, äußern in derselben Zeitung am Mittwoch einige Protagonisten der Kulturszene heftige Kritik daran.
"Ich muss gestehen, ich habe zuerst an einen Aprilscherz geglaubt, da eine solche Maßnahme existenzbedrohend wäre, auch für die Staatsoper. Wie das Publikum auf eine so massive neue Besteuerung der Karten reagieren würde, kann man sich ausmalen. Das Rathaus kann so etwas gar nicht wollen", wird Staatsoperndirektor Bogdan Roščić zitiert. "Ich rechne damit, dass sich angesichts der Gefahr, die hier im Raum steht, alle Kulturinstitutionen der Stadt mit einer Stimme zu Wort melden werden." Auch Konzerthaus-Vorstand Matthias Naske sieht in den kolportierten Plänen, zu denen es noch keinerlei Details gibt, "eine existenzbedrohende Dimension". Auch Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig hält die Abgabe für "keine gute Idee. Wir rechnen mit mehr Schaden als Nutzen. Preiserhöhungen wirken abschreckend und erschweren den Kulturbesuch."
Kritik auch von den Wiener Grünen
Auch politisch kommt Gegenwind: "Statt die Kulturszene mit neuen Mitteln zu stärken, sollen sich die Kulturbetriebe offensichtlich am eigenen Schopf aus dem Sparsumpf ziehen - das kann so nicht funktionieren", ließ Ursula Berner, die Kultursprecherin der Grünen Wien, am Mittwoch per Aussendung wissen. Auch wenn die Grünen hinter der Idee einer Abgabe, die zweckgewidmet für Kulturförderung verwendet werden soll, stünden, dürfe die Abgabe nicht auf Kosten der Kulturbetriebe und der Wiener:innen gehen. Tourismussprecher Hans Arsenovic schlägt stattdessen eine Zweckwidmung von Teilen der 2026 erhöhten Tourismusabgabe vor.
Die Kultursprecherin der Wiener ÖVP, Judith Edelmann ("Die Wiener Kulturlandschaft braucht keine neue Steuer, sondern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem vorhandenen Mitteln."), erteilte den Plänen ebenso eine Absage wie Wiens FPÖ-Wirtschaftssprecher Udo Guggenbichler, der sich ebenfalls bereits am Dienstag zu Wort meldete: "Wenn der Stadt das Geld ausgeht, darf nicht schon wieder die Bevölkerung dafür zur Kasse gebeten werden."
"Konkrete Ausgestaltung wird derzeit noch erarbeitet"
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hat sich "früh für den Kultureuro stark gemacht, in der Hoffnung, dass wir das an die Ortstaxe binden", sagte sie im Dezember im APA-Interview. Darüber sei in der Koalition mit den NEOS kein Einvernehmen zu erzielen gewesen. "Nun wird ein anderes Modell dafür erarbeitet. Da wird also etwas kommen." In ihrem Büro verwies man am Mittwoch gegenüber der APA auf den laufenden Diskussionsprozess, den man derzeit nicht kommentieren wolle: "Wie Sie wissen, wird die konkrete Ausgestaltung des 'Kultureuros' derzeit noch erarbeitet. Vorderstes Ziel ist es, die vielfältige Wiener Kulturlandschaft nachhaltig zu erhalten und abzusichern. Klar ist jedenfalls, dass die Einnahmen aus dem 'Kultureuro' der Kultur zugutekommen werden."
Bild: Symbolbild