Arik Brauer Villa: Tochter öffnet Türen zum Lebenswerk
Die Arik Brauer Villa in Wien-Währing vereint Lebenswerk wie Lebenswelt eines Künstlers, der aus seinem Zuhause über die Jahrzehnte ein Gesamtkunstwerk gemacht hat: Fünf Jahre nach dem Tod ihres Vaters hat Timna Brauer nun den reichlich illustrierten Kunstband "Die Arik Brauer Villa" herausgebracht. Dabei gibt sie tiefe Einblicke in das magische Zentrum der Künstlerfamilie, das als Museum auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Die Villa im Wiener Cottage-Viertel ist jener Ort, wo Arik Brauer (1929-2021) jahrzehntelang lebte, arbeitete und schließlich sein Museum errichtete. Das nun im Brandstätter Verlag erschienene 288 Seiten starke Werk geht dabei über eine reine Werkschau hinaus. Es ist ein Tor in das "visuelle Universum" eines Mannes, der als Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus Kunstgeschichte schrieb. Dabei erhalten Leserinnen und Leser persönlich gehaltene Einblicke in das "Gebäude als Kunstwerk" genauso wie in den dazugehörigen Skulpturenpark.
Kunst war in der Jugend stets "selbstverständlich da"
"In meiner Jugend habe ich gar nicht genau hingeschaut, die Kunst war so selbstverständlich da und in jeder Ecke vorhanden, dass wir sie als Kinder nicht als etwas Besonderes wahrgenommen haben", so Brauer, die das Museum ab 2012 leitete, in ihrem Vorwort. "Seitdem ich mich mit den Werken meines Vaters bewusst befasse, realisiere ich, wie viel Freude sie der Seele zu schenken vermögen."
Bei dem von Timna Brauer zusammengestellten Rundgang durch die Villa wird deutlich, dass Arik Brauers Gestaltungswille vor keinem Alltagsgegenstand Halt machte: bemalte Fliesenwände in der Küche, ein Fischmosaik im Badezimmer und selbst entworfene Möbel zeugen davon. Das Atelier, in dem der Künstler bis zuletzt täglich sieben bis acht Stunden an der Staffelei stand, bildet das emotionale Zentrum des Buches.
Fakten und Anekdoten
Timna Brauer verwebt dabei stets kunsthistorische Fakten mit persönlichen Anekdoten, gibt Einblick in ihre von Kunst geprägte Kindheit, spart aber auch nicht die traumatischen Jahre der Verfolgung während der NS-Zeit aus. Ein früher Lebensabschnitt Brauers, der in seinen Werken ebenso ihren Widerhall fand wie seine spätere Liebe zu Israel und seiner Frau Naomi.
Im Kapitel "Beletage" wirft Brauer u.a. einen Blick auf die Garderobe mit der Sammlung von Werken der Kollegen der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, das Stiegenhaus mit dem Zyklus "Die Zauberflöte", das Frühwerk aus der Akademiezeit oder Originale von Brauers Schallplattenhüllen. Weiters finden sich auch zahlreiche Fotografien aus dem Familienarchiv in dem Buch, das mittels QR-Codes auch Brücken in Arik Brauers musikalische Welt schlägt.
"Mit der Erstellung dieses Kunstbandes erfülle ich einen Wunsch meines Vaters, kurz vor seinem Abschied hat er mich damit beauftragt", so Timna Brauer. Die zugleich festhält, was beim Lesen auf jeder Seite deutlich wird. "Es ist ein sehr persönliches Buch geworden." (apa)
Bild: Jonathan Meiri