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OMV und Wien Energie gehen in die Tiefe OMV und Wien Energie gehen in die Tiefe
Umwelt

OMV und Wien Energie gehen in die Tiefe

Beide Unternehmen investieren 20 Millionen Euro, um in der Tiefengeothermie voranzukommen.
W24 Redaktion
Montag, 06. November 2023
Verfasst am 06.11.2023 von W24 Redaktion

Die OMV und die Wien Energie haben das Gemeinschaftsunternehmen deeep gegründet und treiben damit die Wärmewende voran. Vorerst werden 20 Mio. Euro investiert, um in der Tiefengeothermie voranzukommen. In weiterer Folge sind Anlagen mit einer Leistung bis zu 200 Megawatt geplant, so könnten bis zu 200.000 Haushalte mit dekarbonisierter, also klimaneutraler Fernwärme versorgt werden, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Wir haben das gemeinsame Ziel, die Energieversorgung in Wien noch nachhaltiger zu machen. Wir setzen auf die klimaneutrale Technologie der Tiefengeothermie", sagte OMV-Chef Stern. Es handle sich bei diesem Plan um einen "Zusammenschluss mit einem langjährigen Partner". Erkenntnisse aus bisherigen Tests in Aderklaa stimmten positiv.

Ein erstes Projekt wird in Wien-Aspern umgesetzt. Diese Anlage soll dann Erkenntnisse und Daten für Folgeprojekte liefern. Insgesamt sind bis zu sieben Anlagen geplant, gebohrt wird in eine Tiefe von drei bis fünf Kilometern. Eine Anlage wie sie in Aspern geplant ist, kostet grob geschätzt etwa 80 Mio. Euro, soll etwa 20 Megawatt liefern.

Die Wärme des Tiefenwassers wird genutzt, das Wasser zurück in die Erde gepumpt. Mit dem Bohren hat die OMV Erfahrung, die Wien Energie mit der Verteilung der Wärme an die Kunden über ihr Netz.

Peter Weinelt, der designierte Generaldirektor der Wiener Stadtwerke und damit der Wien-Energie-Mutter, sprach bei der Fernwärme von einem zentralen Baustein für die klimaneutrale Wärmeversorgung Wiens. Beim Ziel die Fernwärme bis 2040 klimaneutral zu gestalten, sei die Tiefengeothermie zentraler Baustein. "Dafür sind starke Partner nötig." Und: "Alle großen Dinge haben einmal klein begonnen."

Derzeit sorgt die Wärmeversorgung für etwa 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in Wien, erläuterte Wien-Energie-Chef Michael Strebl. Das ist gleich viel wie vom Verkehr kommen, für 20 Prozent des Ausstoßes ist Strom verantwortlich. 900 Gigawattstunden Fernwärme sollen bis 2030 laut seinen Angabe aus Geothermie entstehen.

Ein gutes Drittel der derzeit 440.000 Fernwärmekunden könnte so klimaneutral versorgt werden, so Strebl. Die Fernwärmeendnutzung liege stark witterungsabhängig derzeit bei etwa 6.500 Gigawattstunden. 55 bis 60 Prozent der Fernwärme kommen derzeit aus Gas, der Rest aus Abwärme wie etwa dem Manner-Werk in Westen Wiens oder der Müllverbrennung in der Spittelau.

"Im Endzustand möchten wir grob gesagt vierteln", so der Manager: "Aus einer Großwärmepumpe soll ein Viertel bis zu einem Drittel der Fernwärme entstehen, ein Viertel aus der Müllverbrennung, ein Viertel aus der Geothermie und ein Viertel auf einem zu errichtenden Kraftwerk auf Grünbasis." Bis 2040 wird sich Fernwärme mit einem Energiebedarf von etwa 2.250 Gigawattstunden niederschlagen, so Strebl.

Er betonte deutlich, dass eine Wärmewende nur möglich sei, wenn nicht nur umgestellt sondern auch beim Verbrauch eingespart wird. Die gesamte Wärmewende koste - ohne Beachtung der Kosten fürs Stromnetz - etwa 20 Mrd. Euro.

Die Technologie verringert die Abhängigkeit von Energieimporten und ist eine regionale Energiequelle, wurde von den deeep-Partnern mehrfach betont. Sie sei außerdem 100 Prozent klimaneutral. Das Wasser, das sich tiefer als 3.000 Meter unter der Erdoberfläche befindet, ist heißer als 100 Grad Celsius.

Das Heißwasservorkommen soll zur Fernwärme-Erzeugung eingesetzt werden. Die Förderung des Wassers aus dem Untergrund erfolgt mittels einer Förderpumpe. An der Oberfläche wird dem Wasser die Wärme mittels Wärmetauscher entzogen, so die OMV. Die gewonnene Wärme wird ins Fernwärmenetz eingespeist und verteilt. Das abgekühlte Wasser wird nach der Wärmeentnahme wieder in das ursprüngliche Reservoir rückgeführt. Es entsteht dadurch ein geschlossener erneuerbarer Kreislauf. Beim Öl- und Gasfördern werde auch oft hochgepumptes Wasser vom fossilen Energieträger abgeschieden und wieder in die Erde gepumpt, erläuterte OMV-Chef Stern vor Journalistinnen und Journalisten. (APA/Red)