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"Lockdown-Müde": sanfte Öffnung angepeilt "Lockdown-Müde": sanfte Öffnung angepeilt
Gesundheit

"Lockdown-Müde": sanfte Öffnung angepeilt

Wirtschaft, Bevölkerung und Dienstleister: die Regierung will nun doch - vorsichtig - öffnen.
Hannes Huss
Montag, 01. Februar 2021
Verfasst am 01.02.2021 von Hannes Huss

Österreich ist von einer starken "Lockdown-Müdigkeit" befallen, immer weniger Menschen würden sich vorbehaltlos an die geltenden Corona-Bestimmungen halten, heißt es. Dies hätten auch mehrere Umfragen belegt. Auch von der Gefahr einer "kippenden Stimmung" in der Bevölkerung wurde berichtet.

Nun will sich die Regierung diesem Druck - obwohl die Corona-Neuinfektionszahlen noch nicht das gewünschte Niveau erreicht hätten - doch beugen. Bundeskanzler Sebastian Kurz hat am Sonntag angekündigt, nach dem harten Lockdown-Ende am 7. Februar doch "so viel zu öffnen wie möglich". Eine finale Entscheidung wird am heutigen Montag gemeinsam mit Experten, Medizinern und auch den Landeshauptleuten getroffen. Anzunehmen ist, dass Teile des Handels langsam und vorsichtig wieder geöffnet werden, auch die Schulen könnten in einen Schichtbetrieb übergehen.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" bekräftigt, dass er persönlich für die Öffnung der Schulen und von Teilen des Handels nach dem geplanten Ende des Corona-Lockdowns ist. Voraussetzung sei jedoch, dass die Experten keine Einwände gegen derartige Schritte hätten, verwies er auf die am Montag angesetzten Gespräche mit dem Bund.

"Ich versuch immer, wissensbasierte Politik zu betreiben. Ich erwarte mir morgen von Experten Prognosen auf Basis der Zahlen, die wir geliefert haben", sagte Ludwig. Im Handel müsse es - falls man sich für ein Ende der Schließung entscheide - natürlich Sicherheitsmaßnahmen wie etwa eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken geben. Ähnliches gelte für den Bildungssektor.

"Die Schule ist meines Erachtens der Bereich, wo man am meisten hinsehen muss", zeigte sich der Wiener Stadtchef überzeugt. Unter anderem durch eine schichtweise Staffelung der Klasse könnte man laut Ludwig versuchen, das Infektionsrisiko zu minimieren. Er plädierte vor allem für eine Rückkehr der jüngeren Kinder: "Wichtig ist sicher, dass man den ganz Kleinen die Möglichkeit gibt, wieder in die Schule zu gehen."

Er wolle jedoch nicht verhehlen, dass die Entscheidungen nicht leicht seien: "Natürlich sind wir im Blindflug unterwegs in gewissen Bereichen." Man sehe aber jetzt schon "sehr starke Kollateralschäden." Hilferufe gebe es etwa aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Kunst sei nun, bei den Öffnungen ein "Mittelmaß" zu finden.

Ludwig verwies auch auf die in Wien kürzlich geschnürten Corona-Hilfspakete. Besonders betroffen ist in der Hauptstadt etwa der Tourismus. Laut dem Wiener Bürgermeister wird nun bereits wieder begonnen, in verschiedenen Ländern für eine Reise nach Wien zu werben - auch wenn eine solche nur schwer möglich ist derzeit. Aber man wolle wieder Lust auf einen Besuch in Wien machen. "Sehnsucht ist ja eine Triebkraft wie wir wissen." (hh/APA/Red)

Bild: Andy Wenzel