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Schani Breitwieser: „Der beste Einbrecher den wir hatten" Schani Breitwieser: „Der beste Einbrecher den wir hatten"
Chronik

Schani Breitwieser: „Der beste Einbrecher den wir hatten"

Johann „Schani“ Breitwieser war der „Robin Hood von Meidling“. Am 1. April jährt sich sein Todestag zum 100. Mal.
Andreas Liberda
Freitag, 29. März 2019
Verfasst am 29.03.2019 von Andreas Liberda

Vor hundert Jahren endet an einem Grab am Meidlinger Friedhof ein Trauerzug, den Wien schon lange nicht mehr gesehen hatte. Von 20.000 bis 40.000 Menschen reichten die Schätzungen. Der Tote: Johann „Schani“ Breitwieser, der Robin Hood von Meidling.

Breitwieser wächst in ärmsten Verhältnissen auf. Als eines von 16 Geschwistern wird er schon als Jugendlicher delinquent. Als er zum ersten Mal vor dem Richter steht fragt ihn dieser nach dem Grund für den Diebstahl von ein paar Würstel. Breitwieser fragt zurück: Warum? Aus Not!
Schon damals Jahren weiß er sich zu inszenieren. Seine „Platte“, so nennt man kriminelle Banden damals, tauft er „die Bruderschaft der schwarzen Larven“. Mit ihr gelingen ihm spektakuläre Brüche. 80.000 Kronen stibitzt er aus dem Tresor des Reichskriegsministeriums. Obwohl ihn jeder im damaligen Wien kennt, öffnet er angeblich auf der Flucht die Tür einer versperrten Ankerbrot-Filiale – Die lokale Bevölkerung plündert den Laden und verrät Breitwieser nicht.

Sein größter Clou. Eine Beute von 500.000 Kronen aus der Hirtenberger Munitionsfabrik. Mit einem Teil des Geldes kauft er sich eine Villa in St.Andrä/Wördern. In deren Keller experimentiert er an neuen Schweißmethoden. Die Technik dazu hat er sich selbst angelernt. Denn Breitwieser ist nicht auf den Kopf gefallen und wird so zum besten „Eisenschlitzer“ weit und breit. Alfred Polgar beschreibt ihn nach seinem Tod als „besten Einbrecher den wir hatten“.

Doch es kommt wie es kommen muss in solchen Geschichten. Mit 28 Jahren findet der Robin Hood aus Wien den Tod. Die Polizei erfährt wo er sich unter falschem Namen sein Haus gekauft hat. Es kommt zum Verhaftungsversuch der mit seinem Tod endet.

Sein Mythos gerät über die Jahre in Vergessenheit. Doch in den letzten Jahren gibt es immer wieder Menschen die sich näher mit seinem Schicksal beschäftigen. Sein Werkzeug ist im Wiener Kriminalmuseum ausgestellt. Der jetzige Direktor des österreichischen Staatsarchivs, Wolfgang Maderthaner, widmete Breitwieser ein ausführliches Kapitel in seinem Buch „die Anarchie der Vorstadt“. Selbst T-Shirts der „Outlaw Legend“ gibt es. Und ein entfernter Nachfahre hat das bisher gesammelte Wissen zu Schani Breitwieser zusammengetragen.