Klimaforscher: Wien trotzt Extremen besser als andere Metropolen
Der Rekordsommer macht auch vor Wien nicht halt: So heiß und trocken war es seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie. Trotzdem gibt Klimaforscher Georg Pistotnik von der GeoSphere Austria vorsichtig Entwarnung: Im internationalen Vergleich sei die Stadt sehr gut gerüstet. Weltweit gebe es wohl keine Millionenstadt, die so gut gegen zu viel, wie zu wenig Wasser gewappnet ist. Dass die Trockenheit inzwischen aber sogar Wien beschäftigt, wertet er als Warnsignal: Zwölf Monate in Folge waren so trocken wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.
Gefährlich sind Hitze und Trockenheit auf unterschiedliche Weise. Die Trockenheit trifft die Landwirtschaft und damit die Ernährungssicherheit, bis hin zu höheren Preisen bei Obst und Gemüse. Die Hitze kostet Menschenleben: Bei vulnerablen Gruppen führt sie zu messbarer Übersterblichkeit, in heißen Wochen zählt Österreich mitunter Hunderte zusätzliche Todesfälle. Dazu sinkt die Produktivität, vom Industriebetrieb bis zum überhitzten Büro.
Dass kurz nach der Rekordmeldung heftige Unwetter einsetzten, löst das Problem nicht. Bis sich die Wasserlage normalisiert, dauert es laut Pistotnik Monate. Immerhin: Die Prognosen lassen auf einen feuchten Herbst und Winter hoffen, in dem sich die Vorräte wieder auffüllen.
Die Rekorde überraschen ihn nicht. Europa erwärmt sich seit Jahrzehnten um rund ein halbes Grad pro Jahrzehnt. Das Tückische seien die Extreme: Auf Jahre scheinbarer Ruhe kann ein umso heftigeres Ereignis folgen. Ruhigere Jahre seien deshalb keine Entwarnung, sondern Zeit zur Vorbereitung. Für den September rechnet er mit einem warmen Spätsommer-Monat, einzelnen Heißtagen, aber ohne Extremhitze.