Queere "Fledermaus": Ein Amüsement mit Längen
Die vor der Premiere angesetzte Pink Pride Party war ob der Unwetter bereits ins Wasser gefallen. Und auch die "Fledermaus - Pride Edition" an der Wiener Volksoper kam am Dienstagabend nicht ganz trockenen Fußes ins Ziel. Trotz mancher Schwächen und Längen stand am Ende aber ein amüsanter Abend in Starbesetzung und mit dem längsten Jubel, den die "Fledermaus" seit Jahren an der Volksoper bekommen hat.
"Pride ist eine Haltung. Unser Haus ist das ganze Jahr über rosa", hatte Hausherrin Lotte de Beer zum Auftakt des Abends proklamiert. Insofern nur lobenswert, dass sich das Haus am Gürtel im laufenden Pridemonat entschlossen hat, eine queere Variante seiner gut abgehangenen "Fledermaus" von Robert Herzl aus 1993 auf die Bühne zu bringen. Schließlich bietet sich hierfür das Genre Operette an, das stets mit Geschlechterrollen, Verkleidungen und dem Thema Liebeleien gespielt hat.
Frischer Wind für einen Klassiker
Und so kam es, dass am Abend ein frischer Wind durch die nicht in die Jahre, sondern schon in die Jahrzehnte gekommene Dekoration des Strauss-Klassikers an der Volksoper wehte. Die Gesangsnummern bleiben zwar weitgehend unverändert, aber das Duo Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl hatte eine neue Textfassung geschrieben.
Darin muss Gabriel von Eisenstein ein paar Tage hinter Gitter, weil er bei einem "Rencontre in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt" - vulgo "einer peinlichen G'schicht am Häusl" - erwischt wurde. Sein Kumpel Dr. Falke ist heimlich in ihn verliebt. Auf dem Sexball des Prinzen Orlofsky erscheint Gabriels Gattin Rosalinde als ungarischer Fürst (nicht als ungarische Gräfin) verkleidet, um ihren Gatten zu bezirzen. Und Ida, die Schwester von Zofe Adele, wird von Szenegröße Ryta Tale gespielt.
Eben die Einsätze der Dragdiva im ausladenden Sisi-Outfit oder als Ballettelevin gehören zu den Höhepunkten dieser Inszenierung und geben einen Eindruck, in welche Richtung es auch sonst hätte gehen können. Besonders camp fällt die Pride Edition nämlich nicht aus. Der Zug zum Tor fehlt phasenweise trotz aller Queerverweise.
Tom Neuwirth als Frosch
Da helfen auch nicht der Erzkomödiant Martin Winkler als Gefängnisdirektor Frank, Katia Ledoux als Prinz Orlofsky oder ein veritabler Star in der Sprechrolle des Gerichtsdieners Frosch - Tom Neuwirth. Dieser hat als sein Alter Ego Conchita am Ball im 2. Akt bereits einen kleinen Cameo-Auftritt, bevor er im 3. Akt als Frosch im etwas gefakten Wienerisch zum Auftakt "Er gehört zu mir" anstimmt und mit einem Wink den gesamten Saal zum Mitsingen animiert. Und am Ende zeichnet der ESC-König auch für die Zugabe mit "I Am What I Am" verantwortlich.
Dazwischen allerdings steht ein streckenweise braver Abend, der sich so manches nicht traute, was er sich hätte trauen können. Dennoch setzte man damit ein schönes Zeichen im Pridemonat, das im kommenden Jahr auch wiederholt werden soll. (apa/red)
Fotocredit: Fürthner / PID