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Papierindustrie leidet unter hohen Energiekosten Papierindustrie leidet unter hohen Energiekosten
Wirtschaft

Papierindustrie leidet unter hohen Energiekosten

Umsatz geht 2025 um 5,7 Prozent zurück - Austropapier fordert bessere Rahmenbedingungen
W24 Redaktion
Donnerstag, 23. April 2026
Verfasst vor 1 Stunde von W24 Redaktion

Hohe Energiekosten und unzureichende Ausgleichsmechanismen haben aus Sicht des Verbands Austropapier den internationalen Wettbewerb für die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie weiter verschärft. Der Umsatz der Branche ging im Vorjahr um 5,7 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro zurück. Daher erneuerte Austropapier-Präsident Martin Zahlbruckner bei der Jahreskonferenz am Dienstag in Wien seine Forderung nach besseren Rahmenbedingungen für die Branche.

Die Exportquote der Branche liege über Jahre hinweg knapp über 90 Prozent, so Zahlbruckner. Es werde "sehr intensiv" investiert. 2025 flossen rund 190 Millionen Euro in Modernisierung, Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit. Er verwies auf die Wertschöpfungskette von Forst-Holz-Papier. Rund 440.000 Arbeitsplätze oder jeder elfte Arbeitsplatz in Österreich seien direkt oder indirekt mit diesem Sektor verbunden. In Europa sei das nur jeder 16. Job.

Industrie braucht Planbarkeit und Investitionsanreize

Die Industrie brauche Planbarkeit und Anreize für Investitionen, so der Verbandspräsident. Die Maschinen amortisieren sich erst nach 15 bis 20 Jahren. Die Rahmenbedingungen in anderen Ländern - etwa in Skandinavien - seien besser. Zudem sei Österreich, was die Energiekosten betrifft, deutlich schlechter gestellt als die Mitbewerber. Die heimischen Betriebe würden das 2,3-Fache an Energiekosten im Vergleich zu deutschen Standorten zahlen, führte Austropapier-Vorstandsmitglied Harald Ganster aus.

Die aktuellen Abgaben auf fossile Brennstoffe machen aus der Sicht von Zahlbruckner "Sinn", das unterstütze die Transformation zur nachhaltigen Energie. Die Empfehlung der Europäischen Kommission, die energieintensive Industrie davon zu entlasten, erfolgte in Österreich nur 2023 und wurde für heuer angekündigt, sagte er weiter. Allerdings sei die Strompreiskompensation "sehr schmal budgetiert". Gefordert werde diese aber in "fünffacher Höhe", so Ganster.

Papier- und Zellstoffindustrie setzt auf Nachhaltigkeit

Die Papier- und Zellstoffindustrie setzt laut Zahlbruckner auf Nachhaltigkeit. Sie solle "wirtschaftlich helfen". Die Papier- und Zellstoffindustrie nehme auch eine Vorreiterrolle in der Bioökonomie ein und setze bereits Ziele der Industriestrategie 2035 um, hieß es. Rund 70 Prozent erneuerbare Energieträger, die Versorgung von mehr als 110.000 Haushalten mit Strom und Fernwärme sowie eine Altpapiereinsatzquote von 88 Prozent würden den Beitrag der Branche zeigen. Gleichzeitig treibe sie die Entwicklung nachhaltiger Verpackungs- und Spezialpapierlösungen voran und erschließe mit Zellstoff und Lignin neue biobasierte Anwendungen. Großes Potenzial sieht Austropapier-Geschäftsführerin Sigrid Eckhardt im Bereich "Biogenes CO2", das im Produktionsprozess anfällt. Es gebe die Möglichkeit, daraus Biokraftstoffe und E-Fuels zu machen.

Die Papierproduktion ging 2025 um 19,2 Prozent zurück, während die Zellstoffproduktion um 2,5 Prozent gesteigert wurde. Die Papierindustrie befinde sich weiterhin in einer Transformation in Richtung Verpackungen. Die Prognosen gehen laut Industrieökonom Ronald Scheucher von einem Wachstumspotenzial von 20 Prozent aus. Zwar dominiere Kunststoff aktuell diesen Bereich, die "Substitutionsprozesse haben schon deutlich eingesetzt". (APA)