Donauinsel: "Lido vor der Haustür"
Die Donauinsel, ursprünglich als rein technisches Hochwasserschutzprojekt konzipiert und umstritten, ist aus dem Stadtbild Wiens nicht mehr wegzudenken. An Sommertagen sind auf dem über 21 km langen und bis zu 250 Meter breiten Gelände mehr als 200.000 Personen unterwegs. Das war beim Startschuss für das Projekt 1969 nicht vorhersehbar. Das Wien Museum beleuchtet mit einer Schau Geschichte und Gegenwart des Naherholungsgebiets aus historischer und ökologischer Perspektive.
Im Abschnitt "Vor der Insel" zeigt sich, dass schon der ersten Donauregulierung jahrzehntelange Debatten vorausgingen. Ein eingerichtetes Überschwemmungsgebiet, das nicht bebaut werden dürfte, lockte Badende, aber auch Kühe weideten dort, wie auf Fotografien zu sehen. Kuratorin Nussbaumer sprach bei einer Pressekonferenz am Mittwoch von einer verschwundenen Landschaft, die man ins Gedächtnis zurückholen wollte. Die wilde Nutzung dieses Überschwemmungsgebietes für Freizeitaktivitäten - es gab sogar Wirtshäuser - nahm die spätere Verwendung der Donauinsel vorweg. In der Schau darf man über ein "Lobaufetzerl" schmunzeln, eine sehr knappe Art Badehose, die FKK-Befürworter bei Polizeikontrollen rasch überstreifen konnten.
Ein Kapitel widmet sich der Planung und dem Bau der Neuen Donau und Donauinsel. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) wies auf die weit voraus blickende politische Vision hin. 30 Jahre dauerte der Planungs- und Umsetzungsprozess, begleitet von teils heftigen Debatten (SPÖ und FPÖ waren dafür, ÖVP dagegen). Letztendlich wurde "ein völlig neuer Lebensraum gewonnen", so Kaup-Hasler. In einem Werbefilm von anno dazumal informiert Waltraud Haas über das neue Areal.
"Insel Express" und Liegestühle
Die Kuratorinnen Nussbaumer und Ulrike Krippner haben viel anschauliches Material zusammengetragen. In einer Vitrine liegen etwa Exemplare des "Insel Express", einer von 1986 bis 1988 aufgelegten eigenen Insel-Zeitung. Nicht fehlen dürfen Impressionen von der Copa Cagrana, Porträts von Inselnutzerinnen und -nutzern sowie Informationen über die Flora und Fauna. Beleuchtet wird die zentrale ökologische und soziale Bedeutung der Donauinsel in der dichter und heißer werdenden Stadt.
In Liegestühlen kann man in einem neuen Buch über die Donauinsel schmökern, ein mobiler Getränkestand gleich daneben verbreitet zusätzlich Inselflair. Auf einem Plakat aus der Zeit von Bürgermeister Helmut Zilk heißt es: "Unser Lido liegt direkt vor unserer Haustür." Multimedia darf nicht fehlen: Ein Video von einem Drohnenflug über das Gelände etwa führt die Dimensionen des Areals vor Augen. Und nicht zuletzt zeugen Plakate von Großveranstaltungen auf der Insel: vom Donauinselfest bis zu den legendären Open-Airs von U2 und Guns N' Roses.
Modell als Star der Schau
Herzstück, "der eigentliche Star der Ausstellung" (Nussbaumer), ist ein elf Meter langes, restauriertes Modell der Donauinsel, das 1979 in einer Präsentation zu sehen war, die das in Bau befindliche Großprojekt vorstellte. Im Maßstab 1:2.000 wurde das Erholungsgebiet samt des umgebenden Donauraums nachgebaut: Zur näheren Betrachtung der Details, wie sich etwa das Stadtgebiet um die Insel verändert hat, liegen Ferngläser auf.
Geschaffen wurde die Donauinsel zwischen 1972 und 1988 gemeinsam mit der Neuen Donau. Erst im Lauf von mehr als 30 Jahren Planungs- und Bauzeit entwickelte sich diese neue Landschaft zu einem vielfältigen Natur- und Erholungsraum am Wasser. Ideen für Hochhäuser, einen Truppenübungsplatz und einen Zentralbahnhof auf der Insel wurden ebenso verworfen wie die Ausgestaltung als rein wasserbautechnischer Damm ohne Zugang zur Neuen Donau. (apa)
Bild: Klaus Pichler/Wien Museum