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Trotz Widerruf: Kreuzarbeiten von Arnulf Rainer im Stephansdom Trotz Widerruf: Kreuzarbeiten von Arnulf Rainer im Stephansdom
Religion

Trotz Widerruf: Kreuzarbeiten von Arnulf Rainer im Stephansdom

Kaltnadelradierungen und großformatige Kreuzarbeiten bis 7. Juni an verschiedenen Orten im und um das Gotteshaus zu sehen
W24 Redaktion
Dienstag, 17. Februar 2026
Verfasst vor 1 Stunde von W24 Redaktion

77 Kreuzarbeiten des im Dezember mit 96 Jahren verstorbenen Arnulf Rainer, darunter 70 Kaltnadelradierungen, sind ab Aschermittwoch im Stephansdom zu sehen. Der Ausstellungsankündigung war "nach Zustimmung", wie Dompfarrer Toni Faber bei einem Pressetermin betonte, ein Widerruf des Künstlers gefolgt, er wolle sich nicht vereinnahmen lassen. Man habe sich "nach etlichen Bemühungen" entschieden, die Schau wie geplant durchzuführen, so Faber am Dienstag.

Es handle sich nicht um Vereinnahmung, sondern um ein Angebot zum Dialog "über die existenzielle Dimension von Horizontalem und Vertikalem", die im Kreuz zum Ausdruck komme, betonte Faber. Rainer habe sich zeitlebens intensiv mit dem Kreuz auseinandergesetzt, hieß es bei der Präsentation, zugleich jedoch christliche Vereinnahmung seiner Kunst stets zurückgewiesen. "Das respektieren wir", so Faber. Rainer stellte mehrmals in Kirchen aus, wehrte sich aber dagegen, als "Kirchenmaler" tituliert zu werden.

Kaltnadelradierungen in ihrer Gesamtheit

Vor etwa einem Jahr trat der Unternehmer Werner Trenker an Faber mit der Idee heran, seine Sammlung von Kreuzarbeiten Rainers im Dom zu zeigen - "zum ersten Mal alle 70 Kaltnadelradierungen, geschaffen von 1956 bis 2014, in ihrer Gesamtheit", sagte Trenker zur APA. "Dann gab es viele Gespräche, vor allem mit dem Domkapitel und mit der Familie Rainer." Kuratorisch begleitet wurde das Projekt vom Kunstexperten Pater Friedhelm Mennekes.

Die Präsentation unter dem Titel "Das Kreuz - Das Zeichen, das bleibt" bezeichnete Faber als "großformatige Installation". Die Arbeiten verteilen sich auf mehrere Orte im Stephansdom. "In einem so prägenden architektonischen Raum ist es schwierig, eine so große Sammlung gut zu positionieren", betonte Dombaumeister Wolfgang Zehetner gegenüber der APA. In der Vierung führt nun eine leicht ansteigende Hängung zum mittelalterlichen Lettnerkreuz hin. Das ergebe "eine Gesamtwirkung, wo der historische Raum mit dem modernen Œuvre zusammenwachsen kann."

Außerdem entschloss man sich, die vielen kleineren Formate in konzentrierter Form in Nischen und in der Barbarakapelle ("intim auf Augenhöhe", Faber) zusammenzustellen, erläuterte Zehetner. Weitere Arbeiten sind im Stiegenaufgang und im ersten Stock des benachbarten Curhauses zu sehen.

"Jeder Strich perfekt gesetzt"

"Viele Christen sehen im Kreuz das Zeichen der Christenheit, andere Menschen sehen darin ein Kunstwerk - und jeder darf das sehen, was er darin sehen will", betonte Trenker. Für ihn stand am Anfang seiner Sammlerleidenschaft für Rainer-Kreuzarbeiten das Kunstwerk: "Wenn Sie die Bilder genauer ansehen, die feinen Adern, jeder Strich, der da perfekt gesetzt wurde und dann auch noch jahrelang überarbeitet worden ist, das ist etwas Besonderes. Sie können so ein Bild ein paar Jahre später noch einmal anschauen und immer wieder was Neues darin finden."

Rund 15 Jahre habe er gebraucht, um alle 70 Kaltnadelradierungen in seinen Besitz zu bringen, so der Unternehmer. Diese seien meistens in einer Auflage zwischen 20 und 35 Stück erzeugt worden. Die letzte Kreuzarbeit habe er erst vor etwa einem Jahr bekommen und damit die Sammlung komplettiert. Bereits 1956 entstand ein frühes "Tabernakelkreuz", ausgestellt in der Kapelle. Viele Druckplatten habe der Künstler mehrfach überarbeitet, übermalt und erneut bearbeitet. "Rainer war nie zufrieden, wollte alles perfekt machen", sagte der Sammler vor der Presse.

Fabers Liebe zu Rainers Kunst

Dompfarrer Faber freute sich über die Realisierung des Projektes. Er habe den Künstler Rainer bereits als Schüler schätzen gelernt und als Student dessen übermalte Totenköpfe in der Galerie Ulysses gesehen. "Ich war so fasziniert, dass ich mir einige Plakate gekauft und sie in meinem Seminaristenzimmer aufgehängt habe. Das hat mir einige Fragen eingebracht, ob ich denn nicht depressiv oder todesverliebt sei, ob irgendein Problem bestehen würde. Ich habe gesagt: 'Nein, ich setze mich gern mit dem Tod auseinander und mit dem, was an Kreuz, an Totenkopf von Arnulf Rainer in seiner genialen Art und Weise übermalt worden ist. Also das ist eine Liebe seit Jahrzehnten."

Offiziell wird die Schau, die bis 7. Juni läuft, am Dienstagabend eröffnet. Auch Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Erzbischof Josef Grünwidl werden sprechen. Hoffnungen von Faber auf Anwesenheit der Familie Rainers dürften sich nicht erfüllen.

Arnulf Rainer war einer der bedeutendsten Vertreter der heimischen Nachkriegskunst. Sein Werk ist umfangreich und vielschichtig. Nach Anfängen im Surrealismus und Informel gelangte er vor allem mit seinen Übermalungen zum Welterfolg. (APA)