Kindergärten: Reformen angekündigt
Die Wiener Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) hat am Montag einen Reformprozess für die Wiener Kindergärten angekündigt. Mit einer "Grundsatzrede" zum Thema Elementarbildung gab sie den Startschuss für eine "Neuaufstellung des Systems", wie sie ausführte. Im Fokus stehen dabei die Bereiche Pädagogik, Förderungen und die Verwaltung. Dass es etwa im Bereich Subventionen zuletzt Kritik gab, verhehlte sie nicht. Hier kündigte sie weitere Kontrollen an.
Ihre Rede stand unter dem Motto "Kindergarten neu denken". Die Wiener Kindergärten, so hob die Stadträtin hervor, würden sich durch eine im Bundesländervergleich hohe Betreuungsquote und wenige Schließtage auszeichnen. Trotzdem sei die Zeit gekommen, um über eine Modernisierung nachzudenken. "Die Wiener Kindergärten stehen vor großen Herausforderungen", zeigte sich Emmerling überzeugt. Punktuelle Änderungen würden nicht mehr reichen.
Kontrollen werden fortgesetzt
Die Kindergärten seien die erste und wichtigste Bildungseinrichtung. Man müsse sich aber fragen, ob sie etwa auf den gesellschaftlichen Wandel und die neuen Technologien ausreichend vorbereitet seien. Auch sei es wichtig, den Pädagoginnen und Pädagogen sowie den Assistentinnen und Assistenten jene Wertschätzung zu geben, die sie verdienen. Darum solle das Konzept auch gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erarbeitet werden, kündigte die Ressortchefin an.
Den jüngsten Rechnungshofbericht, in dem zahlreiche Fälle von mutmaßlichem Fördermittel-Missbrauch aufgelistet wurden, verschwieg sie nicht. Die Kritik sei berechtigt, hielt sie fest. Viele Fälle würden jedoch aus der Zeit vor der von der Stadt gestarteten "Aktion scharf" stammen, erläuterte Emmerling. Man habe sich auch schon von privaten Trägern getrennt.
Die Bildungsstadträtin kündigte weitere strikte Kontrollen an: "Jeglicher Fördermittelmissbrauch wird geahndet." Träger, die sich nicht an die Regeln halten, würden das Vertrauen der Eltern missbrauchen und auch andere Betreiber in Misskredit bringen. Man werde in solchen Fällen von einer weiteren Zusammenarbeit absehen. Im Rahmen des Reformprozesses soll das Fördersystem ab März generell modernisiert werden.
Herausforderung Spracherwerb
Emmerling ging auch auf die Herausforderungen im Bereich Spracherwerb ein. "Die hohe Zahl an außerordentlichen Schülern belegt, dass wir hier noch viel zu tun haben." Schülerinnen und Schüler, die in diese Kategorie fallen, verfügen nicht über ausreichende Deutschkenntnisse, um dem Unterricht zu folgen. Der Kindergarten könne dafür aber nicht alleine Sorge tragen, warnte sie.
"Auch die engagiertesten Pädagoginnen und Pädagogen stoßen an ihre Grenzen, wenn Bildung zuhause wieder aufhört." Eltern hätten nicht die Option, sondern die Pflicht, sich hier einzubringen. Man wolle sie dabei künftig verstärkt unterstützen. Auch bei den Trägern soll laut Emmerling genauer hingeschaut werden, ob sie sich ausreichend um Sprachförderung kümmern. Kommen sie dem Auftrag nicht nach, drohen ebenfalls Subventionskürzungen .
Das Kindergartenpersonal soll weiters von administrativen Tätigkeiten freigespielt werden. Hier wird es dazu ab März eine Umfrage unter den Mitarbeitern geben. Emmerling kündigte auch eine neue "Konzeptionswoche" an, in deren Rahmen sich das pädagogische Personal auf das Kindergartenjahr vorbereiten kann. Die Elementar-Bildungseinrichtungen sollen zudem für neue Berufsgruppen geöffnet werden.
Opposition sieht Versagen
Die Opposition zeigte sich einigermaßen unbeeindruckt von der Grundsatzrede: FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss ortete in Emmerlings Rede eine Neuauflage der Ankündigungspolitik ihres Vorgängers Christoph Wiederkehr (NEOS). "Wieder viele Worte, viele Überschriften und viele Versprechen, aber wieder keine einzige echte Maßnahme dort, wo sie dringend nötig wäre", kritisierte er. Grünen-Chefin Judith Pühringer sprach von einem "blutleeren Marketingslogan". Den Kindergarten fünf Jahre nach der Ressortübernahme der NEOS neu zu denken, sei das "endgültige Eingeständnis des pinken Bildungsversagens in Wien".
Diese Meinung teilt auch der Wiener ÖVP-Chef Markus Figl: "Wenn eine Stadträtin nach fünf Jahren NEOS-Verantwortung plötzlich den Startschuss für Reformen verkündet, dann ist das kein Aufbruch - sondern ein spätes Eingeständnis des eigenen Scheiterns." Der private Kindergartenträger "Kinder in Wien" ortete hingegen "wichtige Impulse", um die Perspektive der Kinder stärker ins Zentrum zu rücken und die Weiterentwicklung des Wiener Kindergartensystems anzustoßen, wie es in einer Aussendung hieß.