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Lead Horizon-Gründer Putz "erleichtert" Lead Horizon-Gründer Putz "erleichtert"
Corona

Lead Horizon-Gründer Putz "erleichtert"

"Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen" - Angebliche Untreue, Urkunden- und Beweismittelfälschung.
W24 Redaktion
Freitag, 09. Juni 2023
Verfasst am 09.06.2023 von W24 Redaktion

Michael Putz, Gründer und Mehrheitseigentümer des Corona-Testkit-Anbieters Lead Horizon, hat sich am Freitag in einer Pressekonferenz über die Einstellung der Ermittlungen gegen ihn "sehr erleichtert" gezeigt. "Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen". Die Staatsanwaltschaft Wien hatte auf Basis einer Anzeige eine mögliche Untreue, Urkunden- und Beweismittelfälschung sowie einen allfälligen Verstoß gegen das Verbandsverantwortlichkeitsgesetz geprüft.

Am Dienstag hatte die Anklagebehörde schlussendlich nach monatelangen Ermittlungen die 39-seitige Einstellungsbegründung übermittelt. Er wusste von Anfang an, dass diese Vorwürfe "vollkommen haltlos" sind, dennoch "belastet einen so was natürlich", sagte Putz. "Es war eine schwere Zeit", meinte der Unternehmer. "Das war das erste Mal, dass mir so was passiert ist. Ich hoffe auch das letzte Mal", sagte Putz. Er sei froh, dass dieser Albtraum vorbei sei.

Der Unternehmer sprach von einem "Angriff", der gegen ihn und seine Familie gestartet wurde, der für ihn nicht nachvollziehbar sei. Die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen habe Christoph Steininger, der Mitbegründer von Lead Horizon, der mittlerweile nicht mehr in dem Unternehmen tätig ist. Er brachte eine Sachverhaltsdarstellung ein, in der er die schweren Vorwürfe gegen Putz erhob. Diesem wurde unter anderem unterstellt, er hätte in mehreren Fällen Gelder aus dem Unternehmen genommen und damit andere Eigentümer und die Firma geschädigt. Auch großzügige Umbauarbeiten in einem Büro und Auftragsvergaben an externe Berater wurden thematisiert. Die Staatsanwaltschaft sprach in ihrer Einstellungsbegründung von einem angeblichen Schaden von mehr als 300.000 Euro.

"Die Vorwürfe waren durchaus schwer, die Herr Steininger erhoben hat", so Putz. "Das lässt einen nicht kalt." Er bedankte sich für die korrekte Behandlung der Justiz und die Unterstützung seines Rechtsanwalts Günther Rebisant, "der mich durch diese schwere Zeit begleitet hat". Putz sprach von einem "Rachefeldzug" vonseiten Steiningers, der begonnen habe, nachdem er bei Lead Horizon als Geschäftsführer abberufen wurde. "Es hat dort driftige Gründe gegeben, diesen Schritt zu gehen", so Putz. Diese Entscheidung habe er damals nicht auf die leichte Schulter genommen, um den Minderheitengesellschafter aus dem operativen Geschäft zu entfernen. "Ich hoffe, er (Steininger, Anm.) und seine Anwälte haben nun verstanden, dass dieser Rachefeldzug sinnlos ist."

Er habe im März 2020 Lead Horizon gegründet, um "etwas Sinnvolles, etwas Gutes zu tun", so Putz. Er sei stolz, was seine Kolleginnen und Kollegen mit ihm in dem Unternehmen erreicht haben, man habe viele Infektionsketten unterbrochen, Millionen von Tests durchgeführt, das Testen komfortabler gemacht und dadurch Steuergelder eingespart.

Weil sich die Pandemie einem Ende zubewegt, ist der Unternehmenszweck der Lead Horizon nicht mehr gegeben und die Gesellschaft muss liquidiert werden und wird beendet, so Putz. "Spätestens ab dann haben Herr Steininger und ich überhaupt nichts mehr miteinander zu tun. Wird ein schöner Tag", sagte der Unternehmer. Rechtliche Schritte gegen Steiniger will er nun nicht setzen. "Das hilft mir nicht. Der Schaden ist bereits entstanden." In Zukunft will Putz seinen Fokus auf Heimtests setzen. Genaue Details wollte er nicht verraten.

Der Jahresabschluss für Lead Horizon für das Jahr 2022 wurde noch nicht bestätigt. "Wir hoffen, dass wir nicht in die Verlustzone rutschen. Wir haben natürlich viele Kosten letztes Jahr mittragen müssen, aber bei weitem nicht mehr dieses Testaufkommen gehabt." Aus den Gewinnen von 2021 wurde vieles für 2022 finanziert, um den Betrieb noch aufrecht zu erhalten.

Noch offen für Lead Horizon ist ein Verfahren am Wiener Handelsgericht. Das deutsche Unternehmen CoviMedical will den Kauf von Test-Kits rückabwickeln, weil es diese für unbrauchbar hält und hat die Klage mit einem Streitwert in Millionenhöhe eingebracht. Gespräche über eine mögliche Einigung werden noch geführt. Einen Termin für eine vom Gericht vorgeschlagene Mediation gibt es noch nicht, sagte Putz auf APA-Nachfrage.

Streitpunkt ist eine Geschäftsbeziehung, die der führende Anbieter von Corona-Testlösungen in Deutschland im März 2022 mit Lead Horizon eingegangen ist. Die Wiener PCR-Test-Kits sollten an 200 Standorten in Deutschland flächendeckend ausgerollt werden, um allenfalls für bevorstehende Pandemie-Wellen gewappnet zu sein. Ein Kaufvertrag über eine Million Test-Kits wurde abgeschlossen, den CoviMedical nun allerdings für obsolet erachtet, da die App ihrer Meinung nach nicht in der Lage sei, die Testperson eindeutig zu identifizieren. In Deutschland herrscht nämlich eine andere Gesetzeslage, wo Heimtests nach wie vor nicht erlaubt sind. Dort darf nur durch geschultes Personal bzw. allenfalls unter entsprechender Aufsicht von befugten Personen die Probe an Ort und Stelle abgenommen werden. Laut Putz spekulierte CovidMedical mit einer Gesetzesänderung, allerdings ging die Pandemie früher zu Ende. (apa/red)