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Wien schnürt Gewaltschutzpaket für Schulen Wien schnürt Gewaltschutzpaket für Schulen
Bildung

Wien schnürt Gewaltschutzpaket für Schulen

Mit "Time-Out"-Optionen, verpflichtenden Elterngesprächen nach Suspendierungen und verstärkten Einsatzteams
W24 Redaktion
Freitag, 17. November 2023
Verfasst am 17.11.2023 von W24 Redaktion

Im Wiener Rathaus ist am Freitag ein Gewaltschutzpaket für Schulen präsentiert worden, in dem Maßnahmen gegen Mobbing, Übergriffe oder Vandalismus enthalten sind. Vorgesehen ist etwa, dass auffällige Schülerinnen und Schüler "Time-Out"-Optionen mit Unterricht in eigenen Förderklassen erhalten, mehr Einsatzteams bei gröberen Fällen zur Verfügung stehen oder Eltern zu Gesprächen nach Suspendierungen verpflichtet werden. Letztere gab es im vergangenen Schuljahr 814 Mal.

Schule solle sowohl für Schüler als auch für Lehrkräfte ein angstfreier Raum sein, betonte der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS). Man sehe aber, dass dies nicht immer der Fall sei. In den gravierendsten Fällen setzt es Anzeigen oder gar Schulverweise. Konkret wurden im vergangenen Schuljahr 528 Anzeigen erstattet, wie der Ressortchef berichtete.

Die 814 Suspendierungen haben 664 Schülerinnen bzw. Schüler betroffen. Das bedeutet, dass einige wiederholt für mehrere Wochen nicht in die Schule kommen durften. Die drei Spitzenreiter kamen sogar auf fünf Verweise. Und auch wenn die Zahlen mit den vorangegangen Jahren aufgrund der Pandemie nicht vergleichbar wären, seien sie "wirklich problematisch", befand Wiederkehr.

Man habe schon bisher zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um hier gegenzusteuern. Der Stadtrat nannte etwa Unterstützungen für Klassen, eine bereits bestehende Hotline oder spezielle Programme zur Gewaltprävention. Nun wird nachgeschärft: Ausgebaut werden etwa Eingreifteams, die in besonders brenzligen Fällen an die Schulen kommen. Sie bestehen unter anderem aus Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeitern. Hier ist eine Aufstockung um zehn Personen geplant.

Intensiviert werden auch Antigewalttrainings. Weiters soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass auffällig gewordene Jugendliche eigene, kleinere Förderklassen besuchen, in denen sie intensiver betreut werden. Dies könne etwa bei Kindern mit psychischen Erkrankungen sinnvoll sein, hieß es heute. Auch soll Eltern die Möglichkeit geboten werden, an einzelnen Tagen in der Schule mit dabei zu sein.

Die Einrichtung altershomogener Klassen ist ebenfalls eine Option. Denn mitunter, so erläuterte Bildungsdirektor Heinrich Himmer, würden deutlich ältere, vielleicht mehrfach zurückgestellte Kinder mit jüngeren in einer Klasse sitzen. Das schaffe manchmal Probleme. Verstärkt will man auch gesundheitliche Themen ins Auge fassen. Mitunter seien etwa Erkrankungen wie Diabetes Anlass für auffälliges Verhalten, gab man zu bedenken.

Eine Schwerpunkt will man auch bei den Suspendierungen setzen, die als letzte Konsequenz ausgesprochen werden. Hier wird es zum einen Rückkehrpläne mit Betreuungsmaßnahmen für betroffene Schüler geben. Bei einer Suspendierung erfolgt zudem auch eine Einladung an Eltern bzw. Erziehungsberechtigte, an einem verpflichtenden Gespräch teilzunehmen. Wird dies abgelehnt, dann wird der Fall an die Kinder- und Jugendhilfe übergeben. "Denn hier endet die Kompetenz der Schule", betonte Himmer.

Der Bildungsdirektor beteuerte, dass die Pädagogen, die ohnehin schon viele Aufgabe wahrnehmen müssten, hier nicht noch weiter in die Pflicht genommen werden. "Kein einziger Punkt belastet die Lehrer zusätzlich", versicherte er. Es sei auch sinnvoll, dass in schwerwiegende Fällen - etwa bei expliziten Drohungen - die Polizei verständig werde. Denn hier Ende die Kompetenz der Schule bzw. der Lehrkräfte.

Die Exekutive ist auch bei jenem Runden Tisch mit dabei, der unabhängig von den heute präsentierten Maßnahmen kürzlich präsentiert wurde. Anlass für die Einrichtung dieses Gesprächsforums waren terrorverherrlichende Vorfälle, Gewaltaufrufe oder antisemitische Parolen im Vorfeld bzw. bei Kundgebungen nach dem Hamas-Angriff auf Israel. (APA)