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Belvedere plant unterirdisches Besucherzentrum Belvedere plant unterirdisches Besucherzentrum
Kultur

Belvedere plant unterirdisches Besucherzentrum

Das Schloss Belvedere lässt mit ungewöhnlichen Plänen aufhorchen.
Hannes Huss
Freitag, 06. Dezember 2019
Verfasst am 06.12.2019 von Hannes Huss

Ein erneutes Besucherplus, ein Überraschungserfolg mit "Stadt der Frauen" und wachsendes Interesse am Belvedere 21: Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig blickt auf ein geglücktes Jahr 2019 zurück. Pläne für zwei Großprojekte reichen zugleich schon über das kommende Ausstellungsjahr hinaus: ein unterirdisches Besucherzentrum im Oberen Belvedere und die Eröffnung der Salzburg-Dependance.

1,7 Millionen Besucher wird das Belvedere an den drei Standorten Endes des Jahres verbucht haben - eine erneute Steigerung um rund 200.000 Besucher im Vergleich zum Vorjahr. Eine erste Maßnahme, um den Touristenzustrom im Oberen Belvedere zu bewältigen, hat man im abgelaufenen Jahr mit der Etablierung eines neuen Time-Slot-Ticketsystems ergriffen, wodurch sich die langen Schlangen vor dem Eingang aufgelöst haben. "In größeren Zeiträumen gedacht, müssen wir aber weit mehr tun", so Rollig im APA-Interview. "Das Time-Slot-System ist nur eine Kanalisierung und Steuerung der Besucherströme. Da kein Ende des Tourismusbooms in Sicht ist und wir weitere Steigerungen erwarten, werden wir mit größeren Maßnahmen reagieren müssen."

Das betrifft etwa den Shop, die Garderoben oder die Ausgabe der Audioguides, wo es zunehmend zu Staus kommt. Die Lösung: ein unterirdisches Besucherzentrum, in dem das "Onboarding" stattfindet. "Damit könnten wir das Schloss von diesen Nebenfunktionen entlasten und die Präsentation der Sammlung weiter ausdehnen." Der Kostenpunkt für den Bau, der zwischen dem sogenannten Kavalierstrakt an der Prinz-Eugen-Straße und dem Oberen Belvedere geplant ist, liegt bei 30 Mio. Euro. Rollig hofft, den Bund für eine Drittel-Finanzierung gewinnen zu können. Als Zeithorizont nennt die Direktorin den "Verlauf der 2020er Jahre".

Etwas früher könnte die geplante Dependance in Salzburg eröffnen, für die nun zwei Varianten im Raum stehen. Am Standort der Neuen Residenz stünden sowohl Pläne für eine unterirdische Erweiterung als auch für einen Neubau im Hof im Raum. Dort werde man "nachbarschaftlich Synergien mit dem Salzburg Museum nützen", die Finanzierung müsse allerdings das Land Salzburg - "und vielleicht auch der Bund" - leisten. "Derzeit sind wir in der Entwicklung einer Gebäudeskizze und eines Raumprogramms für die oberirdische Variante", so Rollig. Spätestens im Februar sollen beide Konzepte "mit Zahlen hinterlegt auf dem Tisch liegen". Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) wünsche sich eine Eröffnung bereits 2022, was Rollig für "sehr ambitioniert" hält. Bespielt soll die Dauerausstellung mit "hochkarätigen Beständen" des Belvedere werden, wechselnde Ausstellungen kleinen Formats kann sich Rollig nach dem Vorbild der "Im Blick"-Schauen im Oberen Belvedere vorstellen. Eine weitere Ausdehnung auf andere Bundesländer stehe derzeit nicht an. "Ich sehe uns noch nicht in einer Franchise-Situation wie etwa der Louvre oder das Guggenheim", lacht Rollig. Die Partnerschaft mit Salzburg sei "einzigartig".

Bauliche Veränderungen gab es unterdessen im Belvedere 21, wo man heuer erstmals über 90.000 Besucher begrüßt habe. "Es ist die Hoffnung jeder Museumsdirektorin, dass der Ruf der Institution, die Zuverlässigkeit der Qualität, die Einzelausstellung in der Wirkung überstrahlt." Dies sei ihre Vision, die sich nun langsam auch am Standort für zeitgenössische Kunst nahe dem Hauptbahnhof verwirkliche. Um die "Aufenthaltsqualität" zu verbessern, wird ab 7. Jänner mit der "Lucy Bar" ein neues gastronomisches Konzept realisiert, dazu kommt eine Öffnung des Hauses in den Schweizergarten. "Wenn es warm wird, wird das viel ausmachen", hofft Rollig. Immerhin bestehe hier ein Großteil des Publikums - diametral zum Oberen Belvedere - aus "kunstinteressierten Wienern". Dass diese künftig lieber in die im Frühjahr eröffnende "Albertina modern" strömen könnten, fürchtet Rollig nicht. Dennoch stelle sie sich die Frage, "ob Wien wirklich noch einen Standort mit Gegenwartskunst aus Österreich braucht".

Von der künftigen Regierung erhofft sich Rollig vor allem die lange ausständige Valorisierung der Basisabgeltung, von der sie auch den Erfolg der Verhandlungen über einen gemeinsamen Kollektivvertrag der Bundesmuseen abhängig macht. An die Realisierung der von der vorherigen Regierung geplanten Service GmbH glaubt sie unterdessen nicht. Stattdessen würde sie sich eine - auch gesetzlich verankerte - Aufwertung der bereits bestehenden Bundesmuseenkonferenz wünschen, durchaus mit "Beteiligung des Eigentümers". "Wir haben mit der Bundesmuseenkonferenz ein sehr tüchtiges und konstruktives, auch durchaus belastbares Instrument, in dem Synergien erschlossen werden können; in dem man miteinander konstruktiv arbeitet." Museumspolitik sollte künftig im Dialog mit der Bundesmuseenkonferenz gemacht werden. "Wir sind 16 Köpfe aus den Bereichen der künstlerischen und der wirtschaftlichen Geschäftsführung. Wer, wenn nicht wir, kennt unser Geschäft und unsere Bedürfnisse, Stärken und Nöte am besten?" Rollig hält es für "nicht so sinnvoll, etwas von Menschen entwickeln zu lassen, die nicht den Einblick haben können, den wir innerhalb der Bundesmuseen haben." (APA/Red)

Bild: Ian Ehm