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Bilder aus der "Weissen Stadt" Bilder aus der "Weissen Stadt"
Kultur

Bilder aus der "Weissen Stadt"

Die neue Ausstellung „Israel before Israel“ im Jüdischen Museum zeigt eine Auswahl von Fotos aus dem Tel Aviv der 30er-Jahre.
Rebin Showkat
Freitag, 24. November 2017
Verfasst am 24.11.2017 von Rebin Showkat

Eine Ziegenherde, die durch einen städtischen Boulevard getrieben wird, Baustellen großer Neubauten und Straßenszenen vor Cafes und Kinos. Die Fotografien von Ze'ev Aleksandrowicz zeigen die Entwicklung Tel Avivs auf dem Weg vom Schtetl zur modernen Großstadt. Die Ausstellung "Israel before Israel" ist ab Mittwoch im Jüdischem Museum Wien zu sehen.

"Was wir Ihnen zeigen, sind faszinierende Fotos, vor allem aber auch eine spannende Lebensgeschichte und ein überraschender Fund", sagte Museumsdirektorin Danielle Spera bei einer Presseführung am Dienstag. Aleksandrowicz wurde 1905 in Krakau als Sohn eines Papierhändlers geboren. Als Student lebte er kurze Zeit auch in Wien. Von seiner Jugend an war er von der Fotografie fasziniert und arbeitete zunächst als Pressefotograf, bezeichnete sich aber selbst als Amateurfotograf.

Zahlreiche Reisen führten ihn in europäische Länder und Mitte der 1930er-Jahre einmal um die Welt. Zwischen 1932 und 1935 reiste er drei Mal nach Palästina. Nach seiner Hochzeit mit einer sefardischen Jüdin im Jahr 1936 wählte er Tel Aviv als seine neue Heimat. Unmittelbar nach der Heirat gab er das Fotografieren auf, erzählte Spera. "Warum, wissen wir bis heute nicht."

Erst elf Jahre nach seinem Tod 1992 entdeckte seine Familie einen alten Koffer mit 15.000 Negativen. Für die Ausstellung im kleinen Extrazimmer des Jüdischen Museums in der Dorotheergasse wählte Kuratorin Andrea Winklbauer 24 Schwarz-Weiß-Fotografien aus. An die Decke des Raums werden 80 weitere Fotos projiziert, die von Liegestühlen aus betrachtet werden können.

"Seine Fotos sind lebendig geblieben", schwärmte Winkelbauer. "Es sind Straßenszenen mit sehr stark künstlerischem Anspruch." Tel Aviv, die 1909 gegründete, erste moderne jüdische Stadt faszinierte Aleksandrowicz. "Was die Fotos so anziehend und ungewöhnlich macht, ist, dass Aleksandrowicz in keinem Auftrag fotografiert hat", sagte Winkelbauer. "Er musste keine Ideologie vertreten, er war vorurteilsfrei und hat alle Menschen mit Neugier betrachtet." Die Ausstellung läuft bis 1. April. (APA)