Neun Wochen Ferien: Eine Belastungsprobe für Alleinerziehende
Neun Wochen Sommerferien. Für Kinder bedeutet das freie Zeit, für viele Alleinerziehende vor allem zusätzliche Organisation. Denn während Schule und Nachmittagsbetreuung Pause machen, läuft der Arbeitsalltag weiter. Betreuung muss organisiert, Freizeit geplant und gleichzeitig das Familienbudget im Blick behalten werden.
Das kennt auch die alleinerziehende Projektmanagerin Jutta Mailänder und Andrea Czak, die den Verein Feministische Alleinerzieherinnen gegründet hat. Der Verein FEM.A setzt sich für die Rechte und den Schutz von alleinerziehenden Frauen und ihren Kindern ein, unterstützt Betroffene bei Gewalt und familienrechtlichen Problemen und kämpft politisch gegen strukturelle Benachteiligung und Armut.
In Wien wächst fast jedes sechste Kind unter 15 Jahren mit nur einem Elternteil auf. Rund acht von zehn Alleinerziehenden sind Frauen. Gerade für sie können die Sommerferien zu einer besonderen Herausforderung werden: Ferienbetreuung, Camps und Ausflüge kosten Geld, gleichzeitig fehlt oft die Zeit, die Betreuung selbst zu übernehmen.
Dazu kommt die Frage, worauf verzichtet werden kann. Was für andere Familien ein spontaner Ausflug oder ein Ferienprogramm ist, muss bei knappem Budget genau eingeplant werden. Auch soziale Teilhabe kann dadurch schwieriger werden – etwa wenn Freundinnen und Freunde verreisen oder kostenpflichtige Freizeitangebote nutzen.
Für Alleinerziehende ist der Sommer deshalb nicht nur eine Frage der Freizeitgestaltung. Es geht darum, Betreuung, Beruf und finanzielle Möglichkeiten miteinander zu vereinbaren. In Wien gibt es zwar verschiedene Angebote für Kinder und Familien, doch nicht alle sind für jede Familie leistbar oder verfügbar.
Alleinerziehende müssen Verantwortung, Zeit und Geld miteinander vereinbaren und das alleine.