Burgtheater-Direktor Stefan Bachmann wird 60
Als Stefan Bachmann im Herbst 2024 als Burgtheaterdirektor in der Nachfolge von Martin Kušej angetreten ist, setzte er ein Zeichen: Er räumte sein repräsentatives Büro und stellt es seither - samt Terrasse - dem Ensemble als Aufenthaltsraum zur Verfügung. Auch politisch äußert er sich - anders als sein Vorgänger - kaum. "Das Burgtheater ist ja nicht mein Haus, sondern es ist das Haus, das ich leite", sagte er einmal im APA-Interview. Am Mittwoch wird Bachmann 60 Jahre alt.
In seinen nunmehr zwei Jahren als Direktor hat er dem Haus zahlreiche Publikumserfolge beschert. Vor allem die großen Solo-Auftritte von der ans Haus zurückgekehrten Stefanie Reinsperger mit "Elisabeth!" von Mareike Fallwickl, Nils Strunk mit seiner musikalischen "Schachnovelle"-Bearbeitung oder Nicholas Ofczarek mit Thomas Bernhards "Holzfällen" sorgen regelmäßig für ein ausverkauftes Haus. Weniger überzeugen konnte er das Wiener Publikum mit einigen jener Inszenierungen, die er aus seiner vorherigen Wirkungsstätte am Schauspiel Köln mitbrachte, um zu Beginn den Spielplan sicherzustellen. Doch nicht zuletzt mit seiner opulenten Inszenierung von Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen" mit Ofczarek, Reinsperger und Caroline Peters ist er mittlerweile gut in Wien angekommen und hat sich - ein Wunder bei seinem Job - kaum Feinde gemacht.
Regie-Erfolge am Burgtheater mit "Verbrennungen" und "Winterreise"
Aber die Liste von Bachmanns Erfolgen am Burgtheater reicht viel länger zurück: So erhielt er im Jahr 2008 für Wajdi Mouawads "Verbrennungen" einen Nestroy-Preis für die Beste Regie, 2012 wurde seine Inszenierung von Jelineks "Winterreise" zur besten deutschsprachigen Aufführung gewählt. 2018 war er zudem als Regisseur von "jedermann (stirbt)" von Ferdinand Schmalz am Haus zu erleben. Ausgerechnet in der Ära Kušej war Bachmann nicht am Burgtheater beschäftigt.
In Köln wirkte Bachmann seit der Spielzeit 2013/14 - hat aber das denkmalgeschützte Schauspielhaus am Offenbachplatz nie bespielen können, sondern in Ausweichquartieren gearbeitet. Ihm nachgefolgt ist übrigens ausgerechnet Kay Voges, der das Volkstheater in Wien nach Ablauf seiner fünfjährigen Amtsperiode verließ.
Bereits mit 32 Schauspieldirektor in Basel
Bachmann wurde am 1. Juli 1966 in Zürich geboren und studierte ebendort Germanistik und allgemeine Literaturwissenschaft. Bereits damals dockte er als Statist und Hospitant am Schauspielhaus Zürich an, zudem arbeitete er als Journalist für "Die Weltwoche" und den "Tages-Anzeiger". Später setzte er sein Studium in den Fächern Germanistik sowie Theater- und Religionswissenschaft an der FU in Berlin fort und hospitierte 1988/89 bei Luc Bondy an der Schaubühne Berlin.
1992 gründete er, unter anderem zusammen mit dem Kölner Chefdramaturgen Thomas Jonigk, den er in dieser Funktion auch nach Wien mitnahm, die freie Theatergruppe "Theater Affekt", die bald überregional bekannt wurde. Ab 1993 trat er als Regisseur am Schauspiel Bonn, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, dem Zürcher Theater am Neumarkt sowie am Schauspielhaus Hamburg in Erscheinung. Seinen ersten Leitungsposten an einem großen Haus übernahm er mit der Spielzeit 1998/99 im Alter von 32 Jahren als Schauspieldirektor am Theater Basel, das in derselben Saison in der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" zum "Theater des Jahres" gewählt wurde.
Ausflug ins Opernfach
Zudem wagte sich Bachmann 2001 auch ans Opernfach: So inszenierte etwa "Cosi fan tutte" an der Opéra National de Lyon oder "Die Zauberflöte" am Theater Basel. Seit 2005 arbeitete Bachmann nach einer einjährigen Auszeit wieder als freier Regisseur und inszenierte seither unter anderem am Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Maxim Gorki Theater Berlin oder am Thalia Theater Hamburg.
Insgesamt wurde Stefan Bachmann fünf Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen: 1996 mit Goethes "Wahlverwandtschaften", im Jahr darauf mit "Triumph der Illusionen" von Pierre Corneille, 2000 mit Rainald Goetz' "Jeff Koons", 2011 mit Kathrin Rögglas "Die Beteiligten" und zuletzt 2021 mit "Graf Öderland" von Max Frisch.
Herausfordernde Jahre stehen bevor
Frei von Kritik war Bachmanns Wirken, der mit der Schauspielerin Melanie Kretschmann verheiratet ist, jedoch nicht. Im Jahr 2018 hatte der "Spiegel" über Mobbing-Vorwürfe gegen Kretschmann, die am Schauspiel Köln engagiert war, und Bachmanns unzureichenden Umgang mit diesen Vorwürfen berichtet. Bachmann wies Berichte über eine "toxische Atmosphäre" und eine "Atmosphäre der Angst" am Haus zurück und kündigte an, einen Mediator zu engagieren. Teile des Ensembles solidarisierten sich mit dem Leiter. Kretschmann war am Burgtheater bisher nur als Gast zu sehen. Eine Aufnahme ins Ensemble gab es nicht.
Für Bachmann stehen in den kommenden Jahren am Burgtheater herausfordernde Zeiten an: Zwar wurde die Basisabgeltung für das kommende Jahr nicht gekürzt, eine Valorisierung gab es angesichts der Budgetkonsolidierung des Bundes aber nicht. Im APA-Interview fand Bachmann vor wenigen Monaten deutliche Worte: Sollten aus budgetären Gründen Schließtage, Personalabbau in großem Stil und die Einsparung von Spielstätten notwendig werden, sagt er ganz klar: "Wenn man das Burgtheater nicht mehr möchte und wenn das Haus wie ein mittleres Stadttheater in Deutschland sein soll, ist es vielleicht auch nicht mehr das Theater, das ich dann leiten werde."