S-Bahn-Sperre: Wiens Grüne befürchten "Öffi-Frust"
Für die Wiener Grünen stellen die kommenden Sperren der Schnellbahn-Stammstrecke einen Stresstest dar - der rasch in "Öffi-Frust" umschlagen könnte, wie sie befürchten. Sie forderten am Donnerstag in einer Pressekonferenz bessere Ersatzmaßnahmen. Denn die Stadt, so befinden sie, ist auf die Unterbrechung nicht gut genug vorbereitet. Empfohlen werden unter anderem Sperren für den Autoverkehr.
Als S-Bahn-Stammstrecke wird die Verbindung zwischen Meidling und Floridsdorf bezeichnet. Bis Herbst 2027 sind dort Modernisierungsmaßnahmen und Sperren geplant. Bereits im Sommer wird der Verkehr zwischen Floridsdorf und dem Bahnhof Praterstern eingestellt - samt einiger nördlicher Anschlussstrecken. Ab September ist der zentrale Abschnitt zwischen Praterstern und Hauptbahnhof betroffen, der über ein Jahr lang gesperrt wird.
Knotenpunkte betroffen
Die Modernisierung, so betonten Parteichef Peter Kraus und das grüne Mobilitätssprecher-Duo Heidi Sequenz und Kilian Stark, sei wichtig, allerdings von der Stadtregierung nicht mit der nötigen Priorität vorbereitet worden. Ein von den Grünen präsentierter Bericht der Technischen Universität zeige dies klar auf. Vor allem an Knotenpunkten wie Hauptbahnhof oder Praterstern werde sich die Sperre auswirken, warnt man.
Angekündigte Ersatzmaßnahmen wie ein Shuttlebus zwischen Meidling und Längenfeldgasse oder Kapazitätssteigerungen bei Straßenbahnlinien wurden prinzipiell begrüßt. Es fehle aber eine Bevorrangung für Bim und Bus, hieß es. Taktverdichtungen sollten zudem nicht nur auf den unmittelbar betroffenen Linien vorgenommen werden, forderten die Grünen.
Kfz-Fahrverbot in der Fasangasse
Die Linie O wird als zentrale Ersatzachse gesehen. Der TU-Bericht empfiehlt ein Kfz-Fahrverbot in der Fasangasse zwischen Landstraßer Gürtel und Rennweg samt erlaubten Querungen und Zulieferung. Ampelpriorisierungen seien hier genauso wie bei der Linie 18 ebenfalls nötig, zeigen sich die Grünen überzeugt. Denn zusätzliche Straßenbahnen würden laut Bericht nur helfen, wenn sie nicht im Verkehr bzw. an Ampeln oder wegen Falschparkern hängen bleiben.
Besonders kritisch bewertet man die Situation am Hauptbahnhof. Schon jetzt gehe es auf den U1-Bahnsteigen dort oft eng zu, wurde beklagt. Hier empfiehlt der Bericht Fahrgastleitsysteme samt Bodenmarkierungen, Piktogrammen und Durchsagen. Auch Einbahnführungen in den Stationen sollten geprüft werden. Zudem wird zusätzliches Ordnerpersonal sowie ein temporärer Ausbau der Radinfrastruktur in der Umgebung urgiert.
SPÖ spricht von Panikmache
"Die Grünen betreiben hier bewusst Panikmache auf dem Rücken Hunderttausender Öffi-Nutzer und Nutzerinnen", bekrittelte SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi. Die Modernisierung der ÖBB-Stammstrecke sei notwendig, damit Wien und die Ostregion auch künftig über eines der leistungsfähigsten öffentlichen Verkehrsnetze weltweit verfügen. Klar sei: Die Bauphase wird intensiv und ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Aber genau deswegen würden die Vorbereitungen von ÖBB und Wiener Linien seit Jahren auf Hochtouren laufen. Gemeinsam wurde mit dem Österreichischen Institut für Raumplanung (ÖIR) ein umfassendes Ersatzkonzept entwickelt, damit Wien auch während der Sperre mobil bleibt, so Al-Rawi.
"Wenn hunderttausende Menschen täglich Umleitungen benutzen müssen, muss garantiert werden, dass der geplante Schienenersatzverkehr auch tatsächlich funktioniert", reagierte Elisabeth Olischar, Verkehrssprecherin der Wiener Volkspartei. Eine TU-Studie rechnet in Spitzenzeiten mit über 11.000 Fahrgästen pro Stunde, die auf andere Routen ausweichen müssen. Die angekündigten Maßnahmen - Shuttlebusse, längere Straßenbahnen, Taktverdichtungen bei ausgewählten Linien - sind ein Anfang, würden aber nicht ausreichen. (APA)