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Wissenschaft: "Immer neugierig bleiben" Wissenschaft: "Immer neugierig bleiben"
Wissenschaft

Wissenschaft: "Immer neugierig bleiben"

Neun naturwissenschaftliche Bereiche stehen im Zentrum der neuen Dauerausstellung "Wissenschaft im Wandel" im Techischen Museum Wien (14.).
Vanessa Kogler
Mittwoch, 22. April 2026
Verfasst vor 4 Stunden von Vanessa Kogler

Der Weg von der Idee zum fundierten Wissen, inklusive aller Irr- und Umwege, ist Thema einer neuen Dauerausstellung im Technischen Museum Wien (TMW). Dabei soll nicht nur ein Ausstellungsraum, sondern ein "Denkraum" für Fragen, Diskussionen und Perspektivwechsel eröffnet werden. Im Zentrum stehen neun naturwissenschaftliche Disziplinen, die unser Leben besonders stark verändert haben - mit historischen Exponaten sowie spielerischen Zugängen zu aktuellen Fragen.

Wissenschaft sei dabei nie statisch gewesen: Die historischen Entwicklungen und Erfolge, die bis heute immer mit Zweifeln einhergehen, werden auf den 800 Quadratmetern für Besucher*innen ab 12 Jahren genauso thematisiert wie der Alltag in u.a. Gehirnforschung, Erdwissenschaften oder Quantenphysik. Unter dem Titel "Wissenschaft im Wandel" wolle man nicht nur Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung, sondern vielmehr die dahinterliegenden Prozesse zeigen - und nicht primär Fragen beantworten, sondern Fragen stellen, erklärte TMW-Generaldirektor Peter Aufreiter am Mittwoch vor Journalist*innen.

Von Quantenlabor bis Seehundfell-Dunkelkammer

Aufgebaut ist die Ausstellung wie ein "Wald des Wissens" - das heißt, dass in den verwinkelten Räumlichkeiten absichtlich keine klare Reihenfolge für den Besuch vorgegeben ist. Die Bandbreite der Exponate reicht dabei vom Nachbau eines Quantenlabors über ein rund drei Meter langes Teleskop des Astronomen Wilhelm Herschel aus den 1790er-Jahren, eine astronomische Uhr aus dem 16. Jahrhundert, die Planetenbewegungen anhand eines Uhrwerks darstellt, oder eine Dunkelkammer aus Seehundfell, die Teil der Österreichisch-Ungarischen Nordpolexpedition war.

Diese Exponate, verbunden mit Personen und Berichten aus der naturwissenschaftlichen Praxis, bilden als sogenannte Themeninseln einen von zwei "komplementären Strängen" der Ausstellung, erklärte Kurator Jochen Hennig. Entlang der Objekte entwickelte man Erzählungen, die etwas über die Forschung in dem Bereich aussagen sollen.

Aber die Objekte können nicht nur veranschaulichen, sondern auch verdeutlichen: "Das große gläserne Gehirn, das wir zeigen, kann beispielsweise nur aus den 1950er-Jahren stammen. Als das Naturhistorische Museum etwas zum Gehirn präsentieren wollte, hat man wie selbstverständlich im TMW nachgefragt. Das muss man sich erst mal klar machen: Das Gehirn war damals nicht organisch, sondern technisch gedacht", so Hennig. Das sogenannte Elektronengehirn als Metapher habe wiederum die Vorstellung vom Menschen geprägt. Hinter einer solchen zeitlichen und räumlichen Gebundenheit von Wissensobjekten stecke auch die Frage, wie die Naturwissenschaften trotzdem Wissen erzeugen können, das dem Anspruch von Allgemeingültigkeit genügt.

Auch andere Themen werden anhand des zweiten Strangs, der sogenannten Frageinseln, wieder spielerisch verhandelt. Da geht es u.a. etwa um Objektivität, gesellschaftliche Teilhabe an den Naturwissenschaften oder die Bedeutung der Grundlagenforschung. So müssen Besucherinnen und Besucher an einer Spielstation etwa passende Fördermaßnahmen finden, um möglichst vielen Menschen den Zugang zu Wissenschaft zu ermöglichen, oder sie sollen zwischen Wissenschaft und Fiktion unterscheiden.

Wissenschafter*innen vor den Vorhang

Gerade im Bereich der Quantenphysik ist zudem die "historische Erfolgsgeschichte" Österreichs in diesem Bereich Thema - von der vor 100 Jahren publizierten Schrödinger-Gleichung bis zum 2022 verliehenen Nobelpreis für Anton Zeilinger, sagte Tanja Traxler, die als Wissenschaftsjournalistin mit fachlichem Hintergrund in der Quantenphysik Teil des kuratorischen Teams für ebenjenes Feld war. "Daneben war uns in der ganzen Ausstellung sehr wichtig, die bedeutenden Beiträge von Wissenschafterinnen vor den Vorhang zu holen, die über lange Zeiten mit strukturellen Nachteilen zu kämpfen hatten. Umso bemerkenswerter ist, welche zentralen Beiträge Frauen immer wieder zum Fortschritt der Wissenschaft geleistet haben."

"Ich freue mich über die wachsende Offenheit in der Gesellschaft gegenüber Wissenschaft und Forschung und ich wünsche dieser Ausstellung, dass sie viele Leute sehen", ergänzte ÖAW-Präsident Heinz Faßmann. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat als wissenschaftlicher Partner für die neue Schau fungiert - und stellte etwa mit dem Quantenlabor der Forschungsgruppe von Markus Aspelmeyer das Vorbild für den gezeigten Nachbau zur Verfügung. (apa)