Schließen
"Schönheit und Skandal kommen bei Festwochen zusammen" "Schönheit und Skandal kommen bei Festwochen zusammen"
Kultur

"Schönheit und Skandal kommen bei Festwochen zusammen"

Auf die Republik der Liebe im Vorjahr, folgt im 75. Jubiläumsjahr der Wiener Festwochen, die "Republic of Gods" - so das Motto heuer.
W24 Redaktion
Donnerstag, 26. Februar 2026
Verfasst vor 1 Stunde von W24 Redaktion

"Ein Programm, das mehrere Festivals füllen könnte", präsentierte Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Badeschiff am Donaukanal, das von 15. Mai bis 21. Juni unter dem Titel "Haus der Republik" als Festivalzentrale dienen wird. Die Vorstellung der insgesamt 35 Produktionen (davon 13 Uraufführungen und acht Eigenproduktionen) war geprägt von jenen Stücken, die sich mit den Themen Krieg und Glauben befassen werden.

Das Festival steht zum 75-Jahr-Jubiläum unter dem Titel "Republic of Gods" und widmet sich mit Werken wie etwa der von Susanne Kennedy inszenierten Wagner-Oper "Parsifal" oder Florentina Holzingers "Pfingstspiel" den Ausprägungen des Glaubens. "Welche Rituale können uns in einer Welt in Zeiten des Krieges noch vereinen?", fragte Rau und überließ zum Auftakt der ukrainischen Künstlerin Marichka Shtyrbulova vom Kiewer Kollektiv Opera Aperta die Bühne, die gemeinsam mit einem Kollegen das Wiegenlied "Songs of Unborn" auf einer zu einer Art Cello umfunktionierten russischen Rakete spielte.

Weitere Höhepunkte der diesjährigen Ausgabe, für die am heutigen ersten Verkaufstag übrigens schon 6.000 der 50.000 Tickets verkauft wurden, sind etwa ein Patti Smith-Schwerpunkt, Inszenierungen von Romeo Castellucci ("Credere alle Maschere" am 6. und 7. Juni in der Halle G), Angélica Liddell ("Seppuku. Die Beerdigung von Mishima oder die Lust am Sterben" ab 11. Juni im Volkstheater), Raus Collage "Das beste Stück aller Zeiten" (ab 15. Mai in der Halle E) oder die posthume Einladung von Robert Wilsons (1941-2025) letzter Inszenierung "The Tempest" (ab 5. Juni im Burgtheater). Im "Glaubenstribunal" beschäftigen sich Kulturwissenschafter:innen, religiöse Würdenträger:innen und gläubige Menschen mit der "Rolle von Religionen, Göttern, Göttinnen und Kultobjekten im globalen Kapitalismus".

Rau: "Schönheit und Skandal kommen bei Festwochen zusammen"

Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) nahm in ihrer Rede Bezug auf den vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine und erinnerte daran, dass die Festwochen vor 75 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf Trümmern errichtet wurden. "Es ist ein Festival, das Wien mit der Welt vernetzen, Kultur aber auch ganz nah an die Bevölkerung bringen sollte", so die Stadträtin. Seither habe das Festival "unterschiedliche Blicke auf Welt" ermöglicht, aber auch "Stile geprägt" und "Impulse geschaffen". Rau selbst zeigte sich im Rückblick auf 75 Jahre Festwochen "mit einer Art von Demut erfüllt". So habe es im Laufe der Zeit immer wieder Skandale bei den Festwochen gegeben, das sei nichts Neues. "Ich sage ja immer: Skandal und Schönheit sind zwei Schwestern, die bei der Geburt getrennt wurden und nur bei den Festwochen zusammenkommen." (apa)