ESC: Stadthalle abgeriegelt
Seit gestern, 17 Uhr ist die zweite Phase des Sicherheitskonzepts für den Song Contest in der Wiener Stadthalle gestartet. Ab dann darf nur mehr auf das Gelände, wer akkreditiert ist und wer beim Eintritt flughafenmäßig sicherheitsüberprüft ist. Abriegelungsphase wird das genannt.
Im Umfeld der Song-Contest-Organisation ist auch der Begriff Lockdown für die Stadthalle zu hören. Offiziell versucht man ihn aber zu vermeiden, zu frisch sind noch die Erinnerungen an dunkle Coronatage.
Ist der Mensch weg, kommt der Hund
Zurück zum eigentlichen Geschehen: Sind alle Menschen draußen, kommen die Hunde, genauer, die Sprengstoffspürhunde. Diese durchsuchen noch einmal das gesamte Gelände penibelst auf mögliche Gefahrenstoffe. Das geschah auch schon in der ersten Phase in den vergangenen Wochen, bei der es um die Anlieferung des gesamten Inventars für den Sangeswettbewerb ging. Jetzt mit der Abriegelung ist quasi Generalkontrolle angesagt. Die Polizeidiensthundeabteilung der Landespolizeidirektion Wien, die sprengstoffsachkundigen Organe der LPD und der Entschärfungsdienst werden wohl bis weit nach Mitternacht die Kontrollen durchführen.
Wie das funktioniert, zeigten der Leiter der Diensthundeabteilung, Gabriel Berkes, und Manuel Schneider, Leiter der Einsatzeinheit, mit den Beamten und ihren Sprengstoffspürhunden. Die Suche funktioniert sowohl in der Nähe als auch aus der Distanz. In der Nähe bedeutet, die Beamtin oder der Beamte kontrolliert gemeinsam mit ihrem bzw. seinem Tier das zu untersuchende Objekt. Bei der Suche aus der Distanz zeigen die Polizistinnen und Polizisten ihren Hunden per Laserpointer an, was sie durch Schnüffeln zu prüfen haben.
"Passiv anzeigen"
Entscheidend ist, dass die Tiere nicht anschlagen, wenn sie etwas finden, weil allfällige Sprengkörper auch auf Schall reagieren könnten. "Passiv anzeigen", nannte das Berkes. Der Hund erstarrt quasi vor dem gefundenen Objekt, was seiner Führerin oder Führer anzeigt, dass da etwas ist. Dann übernehmen die sachkundigen Beamtinnen und Beamten, während sich die Diensthunde zurückziehen und belohnt werden. Die gefundenen Gegenstände werden genauer begutachtet und gegebenenfalls vom Entschärfungsdienst behandelt. Natürlich hofft niemand, dass es so weit kommt.
Ein Diensthund hat zunächst 480 Stunden Grundausbildung, nach denen er Schutzhund ist und als normaler Polizeidiensthund eingesetzt werden kann. Die Ausbildung zum Sprengstoffspürhund umfasst danach noch einmal 400 Stunden, erläuterte Berkes.
Abriegelung gilt auch für Beschäftigte am Stadthallengelände
Zurück zum Lock ...- soll heißen, zur Abriegelung. Diese umfasst auch all jene, die sonst auf dem Areal der Stadthalle arbeiten. Auch deren Büros müssen für die Durchsuchung leer sein, und die Beschäftigten haben in den darauffolgenden Tagen ebenfalls zur "Flughafenkontrolle" zu erscheinen. Diese findet übrigens in Zusammenarbeit mit der Vienna International Airport Security statt, und das bis zum Ende der dritten Phase, der Veranstaltungswoche selbst.
Lingens zufolge werden in dieser Woche rund 20 bis 30 Schleusen im Einsatz sein. Das Security-Personal, das ebenso durchleuchtet wird, bevor es auf das Gelände darf, wird derzeit geschult. Lingens appellierte an die Besuchenden des Song Contests, sich ausreichend Zeit zu nehmen und rechtzeitig zu erscheinen. Die Kontrollen würden einige Zeit in Anspruch nehmen. "Und die Metallschleusen sind sehr fein eingestellt", sagte Lingens.
Das Sicherheitskonzept des Song Contests 2015 wurde übrigens nicht grundlegend verändert, aber verfeinert, wie der ORF-Eventmanager erläuterte. Die Besucherdurchleuchtung gab es damals so noch nicht. Neu ist auch die sogenannte No-Bag-Policy. Taschen werden nicht erlaubt sein, abgesehen von transparenten Täschchen maximal im A6-Format. Getränke mitzubringen wird in der Veranstaltungswoche auch nicht erlaubt sein, ebenso Feuerzeuge. (apa/red)