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Zwentendorf: Das "liebste" AKW der Österreicher Zwentendorf: Das "liebste" AKW der Österreicher
Wissenschaft

Zwentendorf: Das "liebste" AKW der Österreicher

Vor genau 40 Jahren entschied sich die Bevölkerung gegen die Inbetriebnahme des AKWs. Ein W24-Lokalaugenschein.
Hannes Huss
Mittwoch, 07. November 2018
Verfasst am 07.11.2018 von Hannes Huss

Österreichs Prestigeprojekt der Siebziger Jahre: das Atomkraftwerk Zwentendorf, ursprünglich als AKW Tullnerfeld von den Eigentümern in der Projektphase tituliert. Der Siedewasserreaktor mit einer Nettoleistung von rund 700 Megawatt hätte insgesamt 1,8 Millionen Haushalte in ganz Österreichs mit Energie versorgen sollen.

Die Bundeshauptstadt Wien sollte ab den späten Siebziger Jahren mit Atomstrom aus Zwentendorf beliefert werden. Gekommen ist jedoch alles anders - und auch der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky musste sein Lieblingsprojekt nach dem Volksentscheid im November 2018, der bekanntlich sehr knapp zu Ungunsten der Inbetriebnahme ausgegangen ist, enttäuscht zurückziehen. Geblieben sind jedoch Gesamtkosten von 650 Millionen Euro - und ein Bundeskanzler, der seine große energiepolitische Vision nicht umsetzen konnte und schließlich auch dadurch sein eigenes politisches Ende - langsam aber doch - besiegelte.

Kampf bis zur Katastrophe 

Noch bin 1985 gab es immer wieder ernsthafte Bestrebungen, das Kernkraftwerk doch noch hochzufahren, die Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 führte allerdings zum definitiven Aus für den Reaktor. Heute ist es im Besitz der niederösterreichischen EVN, die es als Museum betreibt. Jeden Freitag werden dort Führungen durch den spektakulären Reaktorraum und durch die spacig anmutenden Schalträume angeboten. Vom Containment bis hin zum Reaktor: Zwentendorf ist mittlerweile Kult und begehrte Anlaufstelle für Interessierte, aber auch für viele junge Menschen, die dort regelmäßig Partys veranstalten und feiern.

Die Österreicher lehnen heute Atomkraft mehrheitlich ab: Diese einhellige Meinung resultiert letzten Endes aus dem Zwentendorf-Desaster. Tschechen oder Slowaken beispielsweise belächeln die vehemente Ablehnung der Österreicher eher - setzen doch die östlichen Nachbarstaaten weiterhin auf den Ausbau ihrer Kernkraftwerke Bohunice, Mochovce, Temelin oder Dukovany - trotz sämtlicher Störfälle, die sich bewiesenermaßen aufgrund fehlgeleiteter Synergien zwischen russischer Technik und westlicher Bauart immer wieder ereignen und Wien und Österreich somit einer ernsthaften wie permanenten Gefährdung aussetzen. (hh)