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Speise-Insekten: Zwischen Ekel und Genuss Speise-Insekten: Zwischen Ekel und Genuss
Chronik

Speise-Insekten: Zwischen Ekel und Genuss

Verkäufer Christoph Thomann strahlt, wenn er Heuschrecken, Heimchen oder Mehlwürmer sieht: Der Ekel sei nur im Kopf.
W24 Redaktion
Mittwoch, 24. Jänner 2018
Verfasst am 24.01.2018 von W24 Redaktion

Für viele Menschen bedeutet der Kontakt mit Insekten reinen Ekel. Christoph Thomann strahlt, wenn er Heuschrecken, Heimchen oder Mehlwürmer sieht - vor allem dann, wenn Haubenkoch Sebastian Müller daraus feine Kreationen wie Salzheuschrecken-Tartar oder Wurm-Karamell-Schmarrn zaubert. Ekel? "Das ist alles nur im Kopf", will der Verkäufer von Speiseinsekten Vorurteile nehmen.

Vor vier Jahren begann der Wiener über das Thema nachzudenken. "Das war ein Blick über den Tellerrand", sagt Thomann, Gründer von "Zirp Insects". Seither vertreibt er die "nussig-knusprig" schmeckenden Mehlwürmer, Heuschrecken sowie Heimchen (Grillen) und arbeitet mit seinem Team daran, Speiseinsekten bekannter zu machen und Leute aufzuklären. Mit Events wie etwa regelmäßigen Kochkursen im Studio von Ernährungsexpertin Hanni Rützler in Wien will man kulinarisch zeigen, dass Insekten "richtig gut schmecken können". Mit Kreationen wie Mehlwürmer-Pesto auf Weißbrot, Bienen-Drohnen-Suppe, Heimchen-Gemüse-Rösti oder Buffalo-Karamell-Schmarrn mit Birnen lockt er Interessierte hinter den Herd.

Die Klientel, die Thomanns Produkte kauft oder Kochkurse bucht, ist vielfältig, besteht jedoch zu einem großen Teil aus jungen Menschen. "Die einen sind offen und immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen und Alternativen", berichtet der 31-jährige Unternehmer am Rande eines dieser Kochevents. Die anderen zeigen sich verschlossen, da sind die Vorurteile und der Ekel, diese Tiere zu essen, zu groß. Bei der Frage der Abneigung nimmt sich der Unternehmer auch nicht aus. "Auch ich hatte am Anfang Unbehagen, als ich die erste Heuschrecke probierte", gibt Thomann zu. Deshalb geht der Wiener auch in Kindergärten und Schulen, um den Menschen von klein auf die Angst davor zu nehmen. Denn außerhalb von Europa ist das Essen von Heuschrecken nichts Ungewöhnliches. Zwei Milliarden Menschen weltweit essen regelmäßig Insekten. (red/apa)